Schlecht bezahlten Fulltime Job in gute Hände abzugeben

Schlecht bezahlten Fulltime Job als Arbeitslose abzugeben. Bei Interesse bitte melden!

 

Da ich demnächst einen Ehreneintrag ins Guinness Buch der Rekorde erhalte, weil ich die allermeisten Bewerbungen die jemals ein Mensch auf Gottes Erden geschrieben hat, ohne den ersehnten Job zu bekommen, erhalte, stelle ich mir nunmehr die berechtigte Frage; was gilt es als nächstes zu tun?

Mal wieder kräftig feiern? Nein ganz sicher nicht. Nur weil ich mich „selbst“ und „ständig“ um Arbeit bemühe, gibt es nichts zu feiern.

 

Irgendwann dachte ich über Arbeitslose, dass sie den ganzen lieben Tag vor lauter Langeweile, im Jogging Outfit bekleidet und mit einer Popcorn Tüte bewaffnet, vor der Flimmerkiste hängen würden. Hausfrauen TV schauen. Vielleicht noch kurz mit dem Hund Gassi gehen, dann aber schnell wieder rauf auf die Chaiselongue.

So stellte ich vielbeschäftigte Business Frau mir damals das Dasein derer vor, die mir mit ihrem Schicksal so weit entfernt schienen. Heute gehöre ich selbst zu den drei Millionen Menschen in Deutschland, von denen die allermeisten nur einen innigen Wunsch haben.

Endlich wieder arbeiten können!

 

Zwar sitze ich weder in lockerer Sportbekleidung noch mit oder ohne Popcorn vor dem Fernseher, aber dennoch bin ich im Januar diesen Jahres, ihrem Club, wenn auch unfreiwillig, beigetreten.

 

Arbeitslosigkeit ist ein Fulltime Job, so viel steht schon einmal fest. Jedenfalls wenn er akribisch und ernsthaft betrieben wird. Es gibt duzende Suchmaschinen im Internet die alle glaubhaft versichern, bei richtiger und genauer Angabe der Suchparameter, alsbald den passgenauen Arbeitgeber finden zu können.

Nun denn, eine Chance ist es immer und wenn man da täglich den Startknopf drücken möchte um im World Wide Web nach geeigneten Offerten zu suchen, dann ist man schon halbtags nur damit beschäftigt. Selbstverständlich gesteht man auch einem Nichterwerbstätigen eine kurze Mittagspause zu, in der Erwartung, dass er dann gut gestärkt beginnt die vom Suchmonster ausgespuckten Stellenangebote zu studieren, um dann im Anschluss die entsprechenden Homepages der ausschreibenden Firmen zu besuchen.

Das alleine sollte nicht unterschätzt werden, denn wer sich hier „bind“ bewirbt ohne die Visionen, Philosophien oder die Wertevorstellungen der jeweiligen Unternehmen, mit den eigenen Erwartungen abzugleichen, tappt automatisch in eine Falle.

Heute haben es Unternehmen sehr leicht. Sie können bei der Vielzahl der möglichen Bewerber aus dem Vollen schöpfen. In meiner Branche der Pharmazie, erhalten Unternehmen bei einer Ausschreibung rund 300 Bewerbungen zugestellt. So eine Flut kann kaum noch eine Personalabteilung bewältigen.

Den ausschreibenden Firmen ist es aber so möglich, nach der so oft zitierten „Eierlegenden Wollmilchsau“ Ausschau zu halten und ich behaupte tollkühn, sie werden sie auch finden.

Eierlegende Woll 008

Als ich vor etwas über zwanzig Jahren die wundersame Welt der Pharmazie betrat, reichte es, entweder ein Studium der Chemie oder Biologie vorzeigen zu können. Vorteile hatten all diejenigen, die mit einem Abschluss als Mediziner glänzten und wenn man dann noch dem Namen die begehrten zwei Buchstaben als Titel hinzufügen konnte, dann wurde man als potentieller Bewerber mit Doktortitel, mit einem eigenen Chauffeur direkt von zu Hause abgeholt und zum Bewerbungsgespräch geleitet.

 

Heute ist alles anders!

 

Heute kommt man als „einfacher“ Medizinmann fast gar nicht mehr in die engere Wahl. Es sei denn, sie sprechen außer einem English fluent in written and spoken, noch ein perfektes Spanisch und besitzen zusätzlich mehr als nur Grundkenntnisse in Türkisch und Serbokroatisch.

 

Natürlich ist hier ausdrücklich zu vermerken, dass der Bewerber bitte nicht älter als 35 Jahre sein sollte. Jedoch ist es wegen der sehr hohen Verantwortung die diese Position mit sich bringt, unerlässlich, dass sie mindestens 25 Jahre Erfahrungen in entsprechender Stellung nachzuweisen im Stande sind.

Wenn wir dann noch kurz über das zu erwartende Gehalt sprechen, dann pendeln wir uns natürlich bei einem Entgelt per anno ein, dass sie sehr wahrscheinlich das letzte Mal in einem Alter von 22 Jahren, auf einem ihrer Kontoauszüge vorgefunden haben.

Tragisch an der Geschichte ist, dass hier ist kein von mir beschriebener schlechter Scherz, sondern blutiger Ernst derer, die sich aus einem übervollen Pool an Bewerbern, ihren Traumkandidaten auswählen können und wie gesagt, sie werden fündig werden.

 

Hoch lebe die „Eierlegende Wollmilchsau“!

 

Wer sich jetzt noch blind bewirbt, kassiert mindestens eine Absage oder steigt in ein Unternehmen ein, das der eigenen Wertevorstellungen eventuell nicht entspricht. Deshalb ist die „Suche“ nach einer tatsächlich auf den Bewerber zugeschnittenen Firma, wahre Schwerstarbeit und erfordert viel Kraft und noch mehr Geduld, sowie viele Stunden wertvolle Zeit.

Aber Zeit haben wir im Club der Arbeitslosen ohnehin in ausreichender Form zur Verfügung. Kraft und Geduld, daran mangelt es den meisten und mir geht es da nicht anders. Nach vielen Monaten der Suche und den gefühlten tausend Absagen, nagt es am Selbstbewusstsein.

 

Mit einem schnellen Klick, der nicht einmal eine Sekunde andauert, ist eine Bewerbung an das begehrte Unternehmen verschickt. Voraus gingen aber mindestens einige Stunden der Vorarbeit und der Mühe, diese passgenau auf die jeweilige job description auszuformulieren.

Mit jedem „Klick“ steigen wieder Hoffnung und Zuversicht auf ein kommendes Gespräch mit der Personalabteilung, ins unermessliche.

Mit jeder Absage stirbt ein Teil des Selbstwertgefühls!

 

Der Bewerbungsprozess ist wie schon erwähnt, ein wahres Vollzeitgeschäft. Von mir kann ich behaupten, dass ich fast jeden Tag genau so lange mit der Suche nach einem Arbeitgeber beschäftigt bin, als ich damals bereit war an Arbeit in meinen Job zu investieren.

Nur damals hatte ich keine Angst vor der Zukunft!

 

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Wenn du denkst es geht nicht mehr…steht das nächste Paket schon vor der Tür

Wenn du denkst es geht nicht mehr… wo kommt dann bloß das Lichtlein her?

Der Beste, unter all den gut gemeinten Sinnsprüchen die ich zu hören bekomme, seitdem ich zum erlesenen Kreis der Arbeitslosen gehöre, ist folgender:

Mina, wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her!

Nee ist klar! Nachdem nun beinahe sieben Monaten ohne Arbeit vergangen sind und ich fast am Ende meiner psychischen Kräfte bin, werde ich sicher in den nächsten Tagen dank diesem Hinweis im Sinnspruchs erkennen, dass ich in Wahrheit gar nichts zu fürchten habe. Kommt doch ohnehin bald das sprichwörtliche „Lichtlein“ für mich schnellen Fußes um die Ecke gebogen und wird mir den rechten Weg zu einem neuen Arbeitsplatz weisen.

Ich weiß, eine gewisse Portion Sarkasmus ist spätestens an dieser Stelle meiner Geschichte nicht mehr zu leugnen, aber genau um diesen Wert möchte ich die Wiener Studie, die ich in einem vorherigen Artikel bereits erwähnt habe, ergänzen dürfen.
Das Österreichische Institut für Familienforschung an der Universität Wiens, beschreibt den 5 Phasen Verlauf den ein Arbeitsloser durchlebt. In der letzten, also der fünften Phase, in der auch ich mich gerade laut der Studie befinde, stellt sich das Sichfügens in eine unausweichliche Situation aus Aussichtslosigkeit, ein. Die Zeit der Resignation beginnt.

Obwohl ich die Studienergebnisse zu 100% teile, weil ich die beschriebenen einzelnen Abschnitte „leider“ volle Breitseite gerade am eigenen Leib erfahre, möchte ich doch so weit gehen und noch eine weitere Phase hinzufügen.

Meine ganz persönliche „Mina von der Guenz“ Phase!

 

Von der letzten Phase die in der Wiener Studie als die Phase der Resignation beschrieben wird, geht es bei mir gerade mit rasanter Geschwindigkeit in die Phase, die geprägt ist von einer gewaltigen Portion Sarkasmus und einer noch größeren an Wut, denn Mina wird langsam ziemlich sauer.

Mir macht es keine gute Laune wenn ich überlege, dass ich sicher bald einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde erhalten werde, weil ich trotz 150 geschriebener Bewerbungen noch immer keinen neuen Job in Aussicht habe. Ebenso ärgert es mich, dass ich immer wieder zu hören bekomme, dass ich „ZU ALT“ sei…Meine Güte zu alt für was denn? Für die Tätigkeit, die ich seit nunmehr zwanzig Jahren ausübe und aus dem Effeff beherrsche? Ist doch wohl nicht deren ernst. Wollen die mich alle testen wie hoch meine Schmerzgrenze ist und wie viel ich in der Lage bin auszuhalten? Ja und es macht mich ebenfalls total sauer, dass die Firmen heutzutage, zum allergrößten Teil jedenfalls, auf meine sorgsam ausformulierte Bewerbung, nicht einmal eine Absage schicken und wenn doch, dann lese ich einen kompletten Blödsinn in einem sehr kurz gefassten Anschreiben, dass dann in etwas so aussieht:

Sehr geehrte Frau von der Guenz,
leider müssen wir ihnen heute mitteilen, dass wir uns nicht für sie als Kandidatin entschieden haben, obwohl uns ihre Unterlagen überaus gut gefallen haben.
Wir sind sehr sicher, dass sie bei ihren Qualifikationen, sehr bald ein geeignetes Unternehmen finden werden…

 

Wenn die Sache nicht so traurig wäre, würde ich in solchen Situationen gerne einmal herzhaft loslachen. Wenn meine Vita so überaus toll ist, warum stellen die mich dann nicht ein???

Manchmal glaube ich, dass alles kann nur ein schlechter Traum sein aus dem ich irgendwann in nächster Zeit erwachen werde um festzustellen, dass mir gar nicht gekündigt wurde und ich noch immer meinen Beruf ausübe….Schöner Traum nicht wahr?

Warum ist niemand wirklich so ehrlich und sagt mir, warum ich schon wieder nicht in die engere Wahl gekommen bin. Mache ich Fehler und wenn ja welche? Setzte ich Zeichen, die gegen mich anstelle für mich als beste aller Kandidatinnen sprechen? Ich habe keinen blassen Schimmer, einem sagt ja keiner etwas.

 

Wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo noch ein Päckchen mehr!

Meine Mutter ist sehr krank, sie erkennt mich kaum noch. Die Krankheit nennt sich Alzheimer und schreitet bei ihr ziemlich schnell voran. Wir hatten uns nach langer Zeit der Trennung, gerade erst wieder gefunden…und nun das!

 

Manchmal, wenn alles wieder einmal viel zu viel schient, dann finde ich Trost in einer kleinen Kapelle. Sie ist wunderschön und strahlt Ruhe und Frieden aus. Manchmal stehen Tafeln im Eingang um „Wunschzettel“ hinterlassen zu können. Jeder der mag kann einen Wunsch der ihm wichtig scheint und am Herzen liegt, aufschreiben und an die Tafel heften, wohl in der Hoffnung, er möge sich so schneller erfüllen.

Heute Morgen ertappte ich mich dabei lesen zu wollen, was mir völlig unbekannte Menschen so sehr quält, dass sie es hier auf kleine weiße Quadrate aus einfachem Papier aufschreiben und für alle sicht- und lesbar aushängen. Bei einem Zettel verweilte mein Blick länger als bei allen anderen. Es berührte mich was dort zu lesen war. Irgendjemand schien genau wie ich hier in der Kapelle ein wenig nach Hoffnung gesucht zu haben und hatte seinen größten Wunsch niedergeschrieben.
Ich bitte dich lieber Gott, hilf mir wieder Arbeit zu finden

Bilder Juli 052

Mich hat das Lesen dieser Bitte nach Arbeit nachhaltig traurig gemacht. Obwohl es mir genau so geht wie dem Schreiber dieser kurzen Nachricht, ertappe ich mich dabei, dass mich derartige Zeilen sehr berühren.
Spontan würde ich gerne helfen wollen, denn ich mag es nicht wenn Menschen traurig und so hoffnungslos erscheinen.

Anderen helfen macht glücklich! Das Glück der anderen kehrt zu einem zurück sagt man. Tatsächlich, ist auch so! Auf eine wunderbar seltsame Weise.

Frau im besten Alter sucht…oder, alles wird gut!

Frau im besten Alter sucht…

So beginnen wohl die meisten Texte „einschlägiger“ Annoncen. Ich hätte mich in der letzten Woche beinahe dabei ertappt, so beginnend eine Anzeige in der FAZ zu schalten. Nur, die Rubrik meiner Offerte wäre sicher nicht in die der „Bekanntschaftsgesuche“ gelandet, wie man jetzt vermuten könnte, sondern im Ressort: Stellengesuche

Ich glaube, man muss schon ziemlich verzweifelt sein, um diese Möglichkeit in Betracht zu ziehen. Wir leben im 21. Jahrhundert und da ist es mittlerweile bis zum letzten Borkenkäfer durchgedrungen, dass die Zeit in der man erfolgreich Anzeigen schaltete, dem Internet sei es gedankt, längst passé ist.

 

Aber was tun, wenn alles andere bereits bis zur Neige ausgeschöpft wurde. Wenn man nahezu 140 Bewerbungen geschrieben hat. Alle Headhunter dieses Planeten kontaktiert und alle in Frage kommenden Personalberater, bereits das vierte oder fünfte Mal angebettelt hat, doch bitte dringend Ausschau nach einer geeigneten Anstellung halten zu wollen. Langsam komme ich mir vor, wie eine Bettlerin. Ich glaube, so oder so ähnlich muss sich jemand fühlen, der in der City in der belebten Fußgängerpassage, in Klamotten die schon bessere Tage gesehen haben, sein Dasein fristet. Jeder Passant könnte für ihn ein potentieller Spender einiger Cent oder Euro Stücke sein. Jeder kann aber auch genauso gut, schnurstracks und geradewegs einfach so vorbei laufen, ohne auch nur einmal hinzuschauen, wer dort unten am Boden hilfesuchend und um einige Münzen bettelnd, so sein Überleben sichern mag.

 

Auch wenn für den einen oder anderen der Vergleich zu hinken scheint, ich fühle mich mittlerweile tatsächlich so und ich schäme mich fast dafür, obwohl ich für meine momentane Situation alles andere als verantwortlich bin.

Jede Bewerbung könnte zu einer Einladung ins von mir avisierte Unternehmen führen. Jedes daraus entstehende Gespräch zur gewünschten Anstellung und damit zu einem Ende meiner mir hoffnungslos erscheinenden Situation als Arbeitslose.

 

An manchen Tagen werde ich früh wach und habe nahezu Angstzustände. Schweißgebadet und fast panisch suche ich dann immer wieder nach einem Punkt, der Halt und Hoffnung bieten könnte. Nach einer Stimme, die mir zuversichtlich entgegen bringt: Alles wird gut! Du wirst schon sehen…

 

Alles wird gut!

Genau diesen kurzen und in meinem Fall, „fatalen“ Satz, habe ich vor fast zwanzig Jahren einer Frau entgegen gebracht, die mir bis dahin völlig fremd war. Dafür und für meine damals selbstsüchtige Denkweise schäme ich mich bis heute. Noch oft erinnere ich mich an Frau Terp. So hieß sie und sie saß im Rollstuhl als wir uns zum ersten Mal begegneten.

 

Ich kam damals als frisch gebackene Pharmareferentin mit unglaublichem Elan in ein Hospiz, in der Nähe meines Wohnortes. Ich hatte dort Wochen vorher mit den Ärzten und dem Pflegepersonal eine Fortbildungsveranstaltung arrangiert. Ein hochkarätiger Redner war bestellt und natürlich war unser Thema für diesen Abend: Opioide im Finalstadium. Natürlich deshalb, weil die Firma für die ich mich damals so engagiert ins Zeug legte, Opioide für Patienten vertrieb, die nicht mehr lange zu leben hatten und denen man wenigstens eine gute Schmerztherapie zugestehen mochte.

Ich hatte nur „Dollarzeichen“ in den Augen und dachte an meinen Erfolg, der sich sicher nach einer gelungenen Rede des vortragenden Professors einstellen würde. Bepackt mit einem Beamer, Schreibblöcken, Stiften und allerhand Werbematerial, machte ich mich eilig auf den Weg zum Vortragssaal. Natürlich sah ich gar nicht ein, zweimal den Weg zu nehmen und packte mir am Kofferraum meines Firmenwagens alles auf den Arm. Irgendwie wird es schon gehen dachte ich mir und lief los. Leider hatte ich die Rechnung ohne den sprichwörtlich bekannten Wirt gemacht, denn die vor mir auftauchende Drehtür am Eingang der Sterbeklinik, wurde mein Verhängnis. Ich hätte step by step mein Equipment reintragen müssen, denn so bepackt wie ich war, konnte ich die Drehtür auf keinen Fall passieren.

Ich stand noch einige Minuten davor und überlegte doch tatsächlich, wie ich es hinbekommen würde, so unfassbar mit Materialien bepackt und mit einem ordentlichen Dickkopf wie den meinen, doch mit einem Mal durch die Glastür zu gelangen.

 

Da sah ich sie dann. Die Frau die in dem Moment wohl an nichts anderes dachte, als mir bei meinem so wichtig scheinenden Problem zu helfen. Zierlich, hübsches Gesicht, sicher nicht größer als 160cm und vielleicht so um die 40 Jahre alt. So saß sie vor mir in ihrem Rollstuhl. Sie lachte mich engelsgleich an und meinte voller Güte: sie haben es aber wirklich schwer… ich helfe ihnen gerne…und sie tat es.

Ich bedankte mich bei ihr und wir verabschiedeten uns voneinander. Ich sah sie mit ihrem Rollstuhl langsam davon fahren. Als sie noch einmal kurz anhielt und mir zulächelte, rief ich ihr entgegen:

Alles wird gut!

 

Bei meinem Nachbesuch, der ungefähr vierzehn Tage nach der gelungenen Veranstaltung terminiert war, erkundigte ich mich nach Frau Terp. Ich erfuhr, dass sie nur einen Tag nach dem sie mir begegnet war, verstorben sei.

Bis heute bin ich nicht sicher, welcher Teufel mich damals geritten hatte, einer sterbenskranken Frau nachzurufen, dass alles gut werden würde. War diese Botschaft wirklich an sie gerichtet? Was sollte denn für sie „GUT“ werden?

 

Schade, dass mir damals nur der Sinn nach beruflichem Erfolg stand. Heute würde ich vieles anders handhaben und vor allem mich und meine Belange nicht mehr so wichtig nehmen. Heute würde ich nachfragen und mit ihr ins Gespräch kommen wollen. Heute würde ich die Frau Terp kennen lernen wollen um zu verstehen. Heute würde ich mir wünschen, das der damals von mir so arglos gesagte Satz: Alles wird gut, tatsächlich eine Bedeutung hätte haben dürfen!

 

Als ich heute bei google den Satz: Alles wird gut eintippte, stieß ich auf folgendem Link:

http://www.clipfish.de/musikvideos/video/3740323/hubertus-von-garnier-alles-wird-gut-i-only-see-you/

 

Obwohl ich so gar kein Freund deutschsprachiger Texte bin, muss ich zugeben, dass Hubertus von Garnier mich berührt…irgendwie.

Vielleicht weil er von einem Thema erzählt, dass mich zurzeit so emens beschäftigt. Vielleicht weil ich mir wünsche, dass „er“ weiß worüber er da in seinem Song spricht, wenn er behauptet: Alles wird gut.

Vielleicht, weil wir alle in bestimmten Momenten Menschen wie Hubertus von Garnier brauchen, die uns sagen:

Was das Schicksal auch tut, alles wird gut!

 

 

Arbeitslosigkeit und Depression – Hirngespinst oder unabdingbare Symbiose?

Ein Teufelskreis beginnt

Es gibt Menschen die scheinbar fast allem standhalten, was das Leben so mit sich bringt. Sie trotzen jedem noch so heftigen Lebensturm und sind wahre Stehaufmännchen, wenn sie wieder und wieder von der Lebensleiter gleich mehrere Stufen auf einmal herunterpurzeln.

Bis zum Dezember 2013 zählte wohl auch ich zu dieser Spezies Mensch, die hartnäckig die heimtückischen Hindernisse des Lebens meistern, gemäß dem Motto: und nun erst recht…

Machte sich bezahlt diese Sichtweise mein Eigen nennen zu können und schien immer eine bewährte Strategie, oft auch schwere Niederschläge gut zu verdauen oder manchmal sogar ins Positive zu rücken.

Funktionierte über viele Jahre ganz gut mein Motto, bis Weihnachten 2013 vor der Tür stand und alles was vorher solide Bodenhaftung bewies, ins Wanken kam.

 Seitdem ist in meinem Leben nichts mehr wie es einmal war…Wirklich gar nichts mehr!!!

An dieser Stelle denken vielleicht einige, nee ist ja auch klar, sie ist arbeitslos, da läuft doch logischer Weise „etwas“ im Leben anders als gewohnt. Morgens nicht mehr um fünf aufstehen, das ist anders. Sicher schläft sie jetzt bis mittags. Mein Gott hat sie es doch gut. Kein stundenlanges Autofahren mehr, um pünktlich beim Wichtigsten aller Kunden zu sein, der dann aber doch kurz vor Ankunft ohne nennenswerten Grund, unseren Termin absagt. Keine endlos langen Mitarbeitergespräche mehr, weil wiederholt der Quartalsumsatz nicht den Erwartungen der Geschäftsleitung entspricht. Keine langatmigen Meetings, keine nicht endenden Telefonkonferenzen, nicht mehr an fünf Tagen in der Woche in drittklassigen Hotels übernachten, nein einfach gar nichts mehr von alledem. Ist das nicht einfach fantastisch? Nur noch ausschlafen, lange frühstücken und schon am Mittag Fernsehen. Man sollte doch denken, das ist ein Leben wahrlich wie im Schlaraffenland.

Doch egal was man als Arbeitsloser des Tages mit seinem Überangebot an Zeit auch anstellen mag, nichts lässt sich davon von Herzen genießen.

Arbeitslosigkeit und Lebensqualität scheinen sich irgendwie auszuschließen. Mit Lebensqualität verbinde ich die Freiheit entscheiden zu können, wann ich nach einer, ich nenne es hier einmal „Arbeits-Pause“, wieder einsteigen möchte.

Selbstbestimmt, statt von der Agentur für Arbeit abhängig zu sein, dass wäre einer der Faktoren, anhand derer ich Lebensqualität definiere. Der schnöde Mammon ein weiterer Faktor, der wenn vorhanden, ebenso Lebensqualität signalisiert. Natürlich füge ich den Zutaten, die mein subjektives Wohlbefinden beschreiben, noch meine körperliche und seelische Gesundheit und eben auch eine berufliche Perspektive hinzu.

Per Definition der WHO (Weltgesundheitsorganisation) ist auch der „Zeitwohlstand“ ein Aspekt, um Lebensqualität zu benennen.

 

Es ist sicher nicht schwer nun zu erkennen, dass wenn ausschließlich der Faktor „Zeit“ ausreichend oder sogar im Übermaß, im Leben eines nicht arbeitenden Menschen vorhanden zu sein scheint, niemals die Art Lebensgefühl entstehen kann, die nötig ist, um auf Dauer körperlich und seelisch bei bester Gesundheit zu bleiben. Gerade diese ist aber unabdingbar, um die oft lange Zeit der Arbeitslosigkeit unbeschadet zu überstehen.

 

 Arbeitslos! Der Teufelskreis beginnt bereits nach einem halben Jahr

Das Österreichische Institut für Familienforschung an der Universität Wiens, schrieb in einem ihrer Artikel, dass innerhalb von nur sieben Monaten die Weichen für das weitere Lebensschicksal eines Arbeitslosen gestellt sind. Mit dem Verlust des Arbeitsplatzes beginnt ein Prozess zu laufen, der über vier Stadien geht und schon nach einem Dreivierteljahr einer Einbahn zu gleichen scheint, gegen die man immer schwerer vorwärtskommt.

Ohne nun hier näher auf alle vier Phasen einzugehen, scheint mir die dritte und vierte Phase am deutlichsten aufzuzeigen, dass Arbeitslosigkeit für niemanden ein anzustrebender und gar gesundheitsfördernder Zustand ist.

In Phase 3, etwa ab dem fünften Monat der Arbeitslosigkeit, wächst der psychische Druck- der eigene und der der Mitwelt. Ungewisse Zukunft und schwindende Goldreserven werden zu dunklen Wolken am Seelenhimmel des Arbeitslosen.

Mit Phase 4, 7 bis 8 Monate nach Beginn der Arbeitslosigkeit, beginnt laut dem Institut für Familienforschung die Resignation. Nach 1 bis 2 Jahren wirft auch der Zuversichtlichste das Handtuch und ergibt sich in die Dauer-Arbeits-losigkeit.

 

Dass laut dem Institut etwa nach dem fünften Monat die erste schwere Krise eintritt, muss ich leider bestätigen. Bei mir kam sie, die unausweichliche Krise. War ich bis dahin noch einigermaßen sicher, dass ich schnell wieder eine feste Anstellung und damit ein tolles Unternehmen finden würde und meine Erlebnisse als Arbeitslose hier schnell ad acta legen würde.

Hatte ich bis dahin schon so unsagbar viele Bewerbungen geschrieben, mir so viel Mühe mit jedem einzelnen Bewerbungsanschreiben gemacht. Alle Headhunter Deutschlands angerufen, in allen wichtigen Portalen meinen beruflichen Werdegang eingestellt und noch vieles mehr unternommen, damit die arbeitsfreie Zeit so schnell wie möglich sein Ende findet.

 

Langsam schleichen sich jedoch bei jeder Absage, Ängste und Verzweiflung in mein Leben. Ich habe sie nicht eingeladen aber sie klopfen einfach an und erhoffen sich Einlass. Es scheint ihnen bei mir zu gefallen und ich bin ganz offensichtlich nach nunmehr sechs Monaten Arbeitslosigkeit und Hoffen auf ein baldiges Ende meines unfreiwilligen Zustands, zwar Willens, aber nicht mehr in der Lage, diesen Eindringlingen gebührend zu begegnen und ihnen die Tür zu weisen. Somit ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, wann die ersten Depressionen mit gepackten Koffern vor meiner Tür stehen, um bei mir einzuziehen!

In meinem Leben ist eben nichts mehr wie es einmal war…Wirklich gar nichts mehr!!!

Das etwas andere Bewerbungsgespräch

Die wahre Bedeutung eines Deja-vus oder das etwas andere Bewerbungsgespräch

Die wahre Bedeutung eines Deja-vus lernte ich vor einigen Tagen kennen. Genauer gesagt, während meines zweiten Bewerbungsgespräches seit meiner Kündigung im Dezember, im Unternehmen von Herrn Bremer. Wer denkt, dass ich die Geschichte des ersten Interviews mit Herrn Meyer, nicht mehr toppen könne, der sollte wissen, dass er an dieser Stelle gewaltig irrt. Mit anderen Worten; mir bleibt auch nichts erspart…

Herr Bremer, 35 Jahre alt, ist an diesem Tag mein Gesprächspartner und falls diesmal alles gut gehen sollte, in wenigen Wochen mein neuer Big Boss. Von Haus aus ist Herr Bremer Informatiker. Genauer gesagt war er das so lange, bis er auf die Idee kam, sich selbständig machen zu wollen. Herr Bremer hatte wohl die Vorstellung des schnellen Geldes und wollte deshalb auch sehr hoch hinaus. Grundsätzlich ist daran nichts einzuwenden und verdient sogar aus meiner Sicht eine gewisse Portion an Respekt. Es gab nur ein Problem. Herr Bremer hatte von der Materie des neu gegründeten Unternehmens gänzlich so viel Ahnung, wie die sprichwörtliche Kuh vom Samba tanzen. Doch darüber später mehr.

 

Warum reden die, die am wenigsten Ahnung haben am meisten?

Vielleicht, weil manchmal viel reden, viel Unsinn überdecken soll oder wie neulich der ehemalige Redaktionsleiter und Korrespondent des ZDF, Ruprecht Eser als Gastredner an einer Hochschule meinte: wir quatschen uns ohnehin zu Tode.

Könnte aus meiner Sicht etwas Wahres dran sein an seiner Theorie, obwohl er sich dabei mehr auf die ständig zunehmenden Talkshows und deren Inhalte im TV bezog.

Wenn „mindestens“ zwei Menschen miteinander im Dialog stehen, finde ich „viel quatschen“ ganz ok aber was passiert, wenn einer der Beiden minutenlang monologisiert? Hört man dann gemäß einer guten Kinderstube einfach geduldig zu und lässt sich so ganz nebenbei „zu Tode quatschen“? Wie vermeide ich während solcher emens langer Monologe, dass bei mir zeitweilig Langeweile aufkommt, ich geistig abdrifte und wie verhindere ich das unruhige hin und her rutschen auf meinem Stuhl?

 

Spaß bei Seite, Herr Bremer kannte wohl weder Ruprecht Eser noch verstand er den Sinn einer gelungenen und gesunden Kommunikation. Er interviewte mich nicht, sondern berichtete unaufhörlich wie er seinen beruflichen Weg bis dato beschritten hatte und welche Visionen er zukünftig mit Leben füllen möchte.

Gefühlte eineinhalb Stunden später bat Herr Bremer mich dann doch auch etwas zu meiner Person zu sagen. Immerhin! Irgendwie hatte ich schon keine rechte Lust mehr, aber in Anbetracht dessen, das es hier um einen potentiellen Job ging, riss ich mich zusammen und berichtete spannend über meine Steps in meinem Lebenslauf. An der Stelle sollte ich wohl das Geheimnis lüften und berichten, dass es bei seiner Neugründung, um einen Pharmazeutischen Handel ging.

Viele werden denken, wie ist das denn möglich. Kann man denn als Informatiker so einfach einen Pharmazeutischen Handel betreiben und wenn ja ist das wirklich sinnvoll? Die Antwort lautet „ja“ und auch „nein“!

Ja, man kann einen Handel betreiben, aber NEIN, man sollte das auf keinen Fall in die Tat umsetzen. Jeden Fall sollte man die Finger davon lassen, wenn man so gänzlich keinen blassen Schimmer von der Welt der Pharmazie und seinen Tücken hat.

Herr Bremer sah das scheinbar völlig anders. Er suchte nun eine erfahrene Person, die sein Unwissen mit ihren Erfahrungen und Know how wett macht und ihm dabei ordentlich die Kassen füllt.

Seine Vostellungen und Visionen schienen allesamt aus irgendeiner Trickkiste gegriffen und völlig fern jeder Realität. Mit jeder Minute die verging wurde mir deutlicher, der Mensch hat wirklich überhaupt keine Ahnung.

Ohne als Hellseherin jemals meine Sporen verdient zu haben, hätte ich in dem Moment vorhersagen mögen, dass wenn ich ihm irgendwann mittels meiner langjährigen Erfahrungen den Weg zum Erfolg geebnet hätte, wäre meine Arbeitskraft für ihn nicht länger erforderlich gewesen und er würde mich umgehend wieder in die Wüste der Arbeitslosigkeit schicken.

 

Eine sehr ähnliche Geschichte erlebte ich vor einigen Jahren. Eine gute Freundin berichtete mir fast ein identisches Erlebnis. Es fehlen nur kleine Details, die den Unterschied unserer Geschichten ausmachen.

Beim Erleben meiner Geschichte, musste ich wieder an sie denken und ich fragte mich, ob ich für dieses Deja-vus tatsächlich über 16 Stunden mit dem Zug hätte fahren müssen und mich mit so viel Unsinn halb zu Tode hätte quatschen lassen sollen. Am meisten hat mich jedoch an dem Tag geärgert, dass Herr Bremer nicht einmal so viel Anstand und Respekt mir als Bewerberin entgegen brachte und für ein ordentliches Outfit gesorgt hatte. Er begegnete mir doch tatsächlich in einem Jogginganzug…

Von Johann Wolfgang von Goethe stammt der Spruch: Jeder muss wissen, worauf er bei einer Reise zu sehen hat und was seine Sache ist.

Er hatte so recht damit…und ich musste bei meiner „Bewerber“-Reise sehen, dass ich trotz meiner vorhandenen und sicher auch gerechtfertigten Existenzangst, niemals so tief fallen möchte, dass es nötig wird, für Menschen wie Herrn Bremer arbeiten zu müssen.

Natürlich habe ich das Angebot das er mir am nächsten Tag freudig offerierte, dankend abgelehnt!

 

 

 

 

 

 

Je schwerer der Kampf, desto ehrenvoller der Triumph

Je schwerer Der Kampf, desto ehrenvoller der Triumph

Das erste Bewerbungsgespräch war, ja ehrlich, es war fast wie „das“ allererste Mal. Einige Monate nach dem großen Schock namens Kündigung, erhielt ich doch tatsächlich bei einem potentiellen Unternehmen, eine Einladung zu einem ersten Kennlerngespräch. Die Freude, wenn alles glatt liefe, eine neue Anstellung zu haben, war riesig. Ich sollte für einen bekannten Dienstleister, eine Projektarbeit bei einem tollen Unternehmen ausführen. Ich fühlte mich toll, fast wie ein Teenager so beschwingt und ich bin fast sicher, man sah es mir auch ein wenig an.
Tagelang überlegte ich, ob ich für das Vorstellungsgespräch einen Hosenanzug oder lieber ein Kostüm anziehen sollte oder doch noch meine Notgroschen zusammen tragen, und noch schnell ein neues Businessoutfit erstehen sollte. Hand aufs Herz, mir wäre damals keine Mühe zu groß gewesen und ich hätte keine Kosten gescheut, um für diesen Tag perfekt dazustehen.

A good preparation is half of the pie in the kitchen

Das ist nicht von mir, sondern von Paul Bocuse dem berühmten französischen Sternekoch und was ihm schon Recht war, ist mir nur billig und somit ist eine gute Vorbereitung auch für ein Bewerbungsgespräch ganz sicher unerlässlich.

Eine Woche lang saß ich jeden Tag für mehrere Stunden am PC. Ich sah mir immer wieder die Homepage des Unternehmens an. Lernte die Visionen und Wertevorstellungen der Firma auswendig und glich diese mit meinen Vorstellungen ab und „knüpfte“ Synergien. Ich hätte in der Tat nachts geweckt werden können und hätte sofort wie aus der sprichwörtlichen Pistole geschossen, alle wichtigen Details, des seit 1958 forschenden Konzerns, rezitieren können. Jedes Komma in der fast 15 seitigen Firmenpräsentation saß. Da ich es im Job mit Medikamenten zu tun habe, beschäftigte ich mich selbstverständlich auch mit den Produkten, die aus der Pipeline des skandinavischen Pharmariesen stammten und da man im Bewerbungsgespräch auf alle Eventualitäten gefasst sein sollte und nie weiß welche Präparate dann tatsächlich im Focus stehen, lernte ich auch hier wieder „ALLES“ auswendig!

Mehr ist eben mehr! Also galt auch hier meine Devise, dass ich nur überzeuge die Richtige zu sein, wenn ich auch auf diesem Sektor perfekt vorbereitet bin.

Nichts war mir mehr fremd. Ich kannte alle Medikamente dieser Firma in- und auswendig. Wirkstoffnamen, Handelsnamen, Indikationen, Wirkweise, Wechselwirkungen, Nebenwirkungen etc.pp.

Am morgen „davor“ bügelte ich sage und schreibe 45 Minuten an meiner Bluse herum, die ich zu meinem Hosenanzug tragen wollte. Lieber nicht zu feminin, lieber etwas maskuliner, dass wirkt bei vielen im Gespräch einfach kompetenter. Frauen sind in der Welt der Pharmazie von den männlichen Gesprächspartnern großenteils mit einer gehörigen Portion Skepsis belegt. Gerade dann, wenn „Frau“ sich um eine Führungsposition bewirbt und wenn sie dann noch sehr feminin wirkt, dann ist das Spiel oft schon gespielt, bevor es überhaupt begonnen hat. In den letzten Jahren hat sich diese aus der Steinzeit anmutende Einstellung zwar etwas gelockert aber selbstverständlich ist es noch immer nicht, dass Frauen in den Chefsessel klettern und sie ihre Kompetenz nicht immer und immer wieder neu belegen müssen.

Lange Rede kurzer Sinn. Der große Tag war da. Endlich! Morgens um 4 Uhr aufstehen, in den Bus und ab zum Bahnhof. Eineinhalb Stunden Bahnfahrt zum Flieger. Einchecken, und ab nach Hamburg. Rein ins Taxi und schweißgebadet, aber Gott sei es gedankt, pünktlich im Hotel angekommen. Immerhin noch 17 Minuten Zeit um sich noch etwas in Form zu bringen und dann, dann ab ins Gespräch.

Je schwerer der Kampf, desto ehrenvoller der Triumph

Ich könnte wetten, dass mir kaum jemand glauben mag, was ich jetzt schreibe aber es ist tatsächlich genau so geschehen. Ich öffnete die Tür und sah meine Gesprächspartner. Natürlich setzte ich mein schönstes Lächeln auf und zeigte mich natürlich aber business like. Dennoch war mir genau in diesem Moment klar, das Thema ist gelaufen und der Job auf den ich mich so unglaublich freute, futsch.

Was war geschehen? Herr Meyer, ich nenne ihn hier an dieser Stelle einmal so, war ein „alter Bekannter“. Ich hatte sechs Jahre zuvor schon einmal das Vergnügen, Herrn Meyers Bekanntschaft machen zu dürfen. Damals war er in einem anderen Unternehmen ebenso mein Gesprächspartner und benahm sich, als dürfe er ganz nach Gusto, seine überaus schlechte Kinderstube an mir als Bewerberin ausleben. Er wurde im Gespräch zunehmend unverschämter, unterstellte mir immer wieder Dinge, die ich weder gesagt noch gemeint hatte und auch damals kam, logischer Weise eine Absage, kurz nach dem Interview.

Ja und nun, stand Herr Meyer wieder, leibhaftig und in voller Größe, vor mir. Ich ging ganz professionell vor und lies mir von seinen Gräueltaten aus der Vergangenheit nichts anmerken, aber Herr Meyer wäre nicht wirklich Herr Meyer, wenn er nicht wieder alles daran gesetzt hätte, mich erneut zu denunzieren.

Er griff mich immer wieder in der Person an und meinte sogar: ich bin mal ganz ehrlich zu ihnen Frau von der Guenz. Sie sind mir zu alt. Nee ist klar. Mit 55 Jahren gehört man heute ja auch zum alten Eisen und als Frau, durchaus attraktiv, nicht auf den Mund gefallen und bislang nachweislich sehr erfolgreich, gehöre ich natürlich auch wieder an den Herd zurück oder vielleicht doch sogar auf den Scheiterhaufen?

Zweieinhalb Stunden dauerte das an vielen Stellen oft beleidigende Gespräch. Beim nächsten Mal verlasse auch ich meine gute Kinderstube und stehe einfach auf und gehe. Das habe ich mir festvorgenommen. Wusste ich genau, dass wenn ich bleibe, die Show schon vor dem ersten Vorhang gelaufen ist. Was habe ich gewonnen, dass ich brav ausgeharrt habe? Vielleicht an Erfahrungen, vielleicht an Anstand, vielleicht war es aber auch der unbändige Wunsch in mir, keine Chance zu verpassen und den Job doch zu bekommen. Verständlich aber um jeden Preis!?

Je schwerer der Kampf, desto ehrenvoller der Triumph. Was wir zu mühelos erhalten, sehen wir als zu gering an: Erst der hohe Preis gibt jedem Ding seinen Wert.
Thomas Paine (1737 – 1809) US-amerikanischer Handwerker, Lehrer, Politiker, Zollbeamter und Publizist
Ob Herr Paine damals genau gewusst hat, was er da von sich gibt?

Das Wort, dass niemand lesen will…Arbeitslos

Da stand es nun das Wort, dass niemand jemals in seinem Lebenslauf lesen will. ARBEITSLOS!!! Mit großen fetten Buchstaben prangert es seit kurz vor Weihnachten in meinem CV und obwohl bereits mehrere Monate vergangen sind, kann ich es noch immer nicht in vollem Umfang begreifen und frage mich nach dem „WARUM„. Warum ist mir das passiert?

Dabei fing alles so toll an. Zwei Jahre zuvor fand ich diesen neuen und spannenden Job. Auch damals suchte ich nach einer neuen Herausforderung wie man so schön sagt und eines Tages klingelte tatsächlich mein Handy und ich erhielt ein Angebot.

Ich war der glücklichste Mensch der Welt!

Ich arbeite seit vielen Jahren in der Pharmazie und wollte, immer wenn es wieder einmal brenzlig wurde und wieder eine neue Fusion ins Haus stand, den Beruf wechseln. Hatte ich damals bei der ersten Fusion noch so viele Ideen, wie ein Leben außerhalb der Pharmazie aussehen könnte. Eine Idee schien besser und lukrativer als die Andere…damals jedenfalls. Heute erwische ich mich dabei, dass ich vor dem Spiegel stehe und mich frage: warum bist du nicht einfach ausgestiegen? Du wusstest doch schon damals, dass es bergab geht in der Branche. Eine Fusion jagte dann die Nächste. Nur noch Entlassungen. Nur noch Gehaltseinbußen. Nur noch blutjunge und hippe Menschen wurden eingestellt. Nach jeder Fusion und jedem Firmenwechsel habe ich viele Federn lassen müssen und gar nicht gemerkt, dass fast gar keine mehr vorhanden waren, um weiter in dieser taffen und kalten Berufswelt bestehen zu können.

Vor zwei Jahren hätte ich alles was ich besitze darauf verwettet, dass ich an diesem Punkt meiner beruflichen Laufbahn, nie wieder ankommen würde. Nie wieder wollte ich diese Angst fühlen, vielleicht nichts adäquates mehr zu finden. Nie wieder die Schlagkraft der Existenzbedrohung spüren. Tat ich doch alles dafür, dass ich erfolgreich bin und meine Chefs sehen konnten, welch fleißige und engagierte Mitarbeiterin sie sich eingekauft hatten. So eine Angestellte entlässt man doch nie wieder. So war ich wohl von einem  trügerischen Schleier umhüllt, der sich Infantilismus nennt.

Ich weiß, Sicherheit gibt es schon lange nicht mehr im Job und schon gar nicht in der Pharmabranche. Aber wenn die gewünschten Ergebnisse stimmen, die Umsatzerwartungen sogar übererfüllt werden, alle Mitarbeiter zufrieden sind und die Kunden vor Begeisterung ihre letzten Einkäufe optimieren, dann geht wohl niemand davon aus, dass eine Kündigung statt einer Weihnachtsgratifikation so kurz vor Weihnachten, ins Haus flattert.

Wird schon wieder, sagen ALLE! Einfach ein Lächeln aufsetzten und weiter machen. Bewerbungen schreiben, Vorstellungsgespräche führen und die nächste Firma aussuchen. Genau diesen Ratschlag würde ich wohl auch erteilen, wenn ich das Haifischbecken der Pharmazie nicht aus dem Effeff kennen würde und wenn der Schmerz nicht mehr so groß wäre. Eine Woche vor Weihnachten die Kündigung zu erhalten, statt der fetten Weihnachtsgratifikation, das hat schon etwas Makaberes.

Ohne Abmahnung, Ermahnung oder einem persönlichen Gespräch. Einfach so…Kündigung!

Wird schon wieder sagen ALLE, aber warum fühle ich das nicht?